23. FESTIVAL SANDSTEIN UND MUSIK 2015 

Ein Interview anlässlich des Konzertes "GentlemenChristmas" am 5. Dezember 2015 in

der Ev. Kirche Königstein. Das Interview führte Sigrun Rottstädt mit Götz Bergmann. 


 

Wie kam es zur Idee ein Weihnachtsprogramm zu gestalten?

 

Schon seit vielen Jahren spielen GB&hG zum "Winterball" im Ballhaus Watzke in Dresden. Natürlich suchen wir dafür immer wieder auch nach geeigneter Winter- und Weihnachtsmusik. Und gerade in der Epoche, die wir am liebsten interpretieren, nämlich die 1940er bis 60er Jahre, entstanden wundervolle, swingende Evergreens. Nun entdeckten wir aber auch Titel, die gar nicht so omnipräsent sind wie "White Christmas". Diese Musik wollten wir selbst spielen! Wir suchten ein gutes dutzend Titel aus, arrangierten sie neu für uns und machten daraus unser ganz eigenes swingendes Weihnachtsprogramm.

 

 

Weihnachten und Swing – wie passt das zusammen?

 

Aus unserer Sicht bestens! Gut, natürlich würden auch wir die einmalig schönen traditionellen Weihnachtslieder vermissen, die die Menschen teilweise schon seit Jahrhunderten singen. Ohne sie, überhaupt ohne gemeinsames Singen, wäre Weihnachten ein trauriges Fest. Aber natürlich hat jede Zeit auch ihre neuen Lieder. Mit den Weihnachtsschlagern und Popsongs unserer Zeit können wir oft nicht allzu viel anfangen. Sie klingen meist eher nach bierseliger Betriebsweihnachtsfeier als nach Weihnachtsstube oder Christkindmarkt. Viele der Christmassongs der Swingära aber haben etwas freundliches, oft sogar besinnliches. Das gefällt uns gut und passt halt auch zu uns.

 

 

Musikalische Vorbilder?

 

Vorbilder sind natürlich all die, die eh unserer musikalischen Helden sind: Nat King Cole, Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis Jr. Aber auch Elvis Presley und Barry Manilow inspirieren uns. Neben Swing und Jazz sind in unserem neuen Programm auch Blues-, Gospel- und Countryeinflüsse zu hören.

 

Lieblingsweihnachtssong?

 

Mein liebster Song ist "Have Yourself A Merry Little Christmas" von Hugh Martin.

 

 

Was bedeutet Weihnachten für dich?/Was gehört unbedingt dazu?

 

Als Christ ist Weihnachten für mich natürlich zuallererst das Fest, die Geburt Jesu zu feiern, der  unsere Welt durch Liebe und Hingabe rettet und nicht mit Gewalt oder Geld. Auf der anderen Seite ist es schon seit Kindertagen die Zeit der Kerzen, der Volkskunst und des gemeinsamen Singens und Musizierens. Darauf möchte ich nie verzichten müssen. Und auch, wenn gerade die Adventszeit für uns Musiker eine sehr anstrengende Zeit ist und hier die Menschen auch scheinbar immer hektischer werden, ich möchte sie niemals irgendwo anders als hier in meiner Heimat verbringen.

 

 

Wie seid ihr bei der Auswahl der Lieder vorgegangen?

 

Wir haben uns natürlich mit unseren Instrumenten zusammengesetzt und alles mögliche gejammt. Beim Musizieren kommen einem die besten Ideen. Hans-Richard Ludewig und ich haben diese Ideen/Arrangements dann aufgeschrieben. Es war natürlich schon etwas lustig, mitten im Sommer Weihnachtslieder zu spielen. Aber nach kurzer Zeit hat man die kurzen Hosen und blühenden Pflanzen fast vergessen und freut sich schon auf Spekulatius und Tannenzweige...

Wichtig war uns, neben bekannten Songs auch solche mit im Programm zu haben, die nicht so oft gespielt und gesungen werden. Sie wiederzuentdecken und neu zu bearbeiten hat uns ebenso große Freude bereitet, wie bekannte Songs auf eine Weise zu interpretieren, die überrascht.

 

 

Was unterscheidet/verbindet deutsche und amerikanische Weihnachtslieder?

 

Die bekannten amerikanischen Weihnachtslieder sind musikalisch gesehen eigentlich eher Tagesschlager ihrer Zeit, so, wie unser altes Liedgut wiederum seine Entstehungszeit widerspiegelt. Dass wir sie als "Weihnachtslieder" hören und empfinden, liegt denke ich daran, dass wir sie stets nur in der Adventszeit hören und singen. Jede Zeit hat also ihre eigenen Lieder und es ist gut, wenn wir diese ebenso pflegen, wie all die wunderbaren alten Melodien aus längst vergangener Zeit.

 

 

Mit welchem Weihnachtsgefühl geht man als Hörer aus euren Konzerten?

 

Das ist schwer zu beantworten, da ja doch jeder anders empfindet und auch empfinden darf. Unser Programm ist eher fröhlich beschwingt. Das liegt allein schon an der Swingmusik. Aber es gibt auch einige wunderbar sentimentale Songs. Auf alle Fälle wird der geneigte Zuhörer eine Zeit erleben, in der er herausgelöst werden kann aus aller Dezemberhektik und darf für einige Minuten vergessen, ob der kleine Felix ein iPhone oder doch besser gleich ein eigenes Auto geschenkt bekommen sollte.

 

 

Viele amerikanische Weihnachtslieder sind mittlerweile weltweite Klassiker – was macht diesen Erfolg deiner Meinung nach aus?

 

Vielleicht ist das Besondere die gelungene Mischung aus augenzwinkernder Leichtigkeit und ungebremster Sentimentalität. Genau wie bei vielen anderen Kompositionen dieser Epoche scheint der besondere Rhythmus des Swing bis heute eine unvergleichliche Wirkung auf die Menschen zu haben, egal aus welcher Kultur sie kommen. Der Grund dafür liegt vielleicht darin, dass sich im Swing musikalische Wurzeln aus vielen Teilen der Welt wiederfinden. Er eignet sich also wunderbar als "Basis" für Lieder zu einem Fest, was weltweit gefeiert wird.

 

 

Habt ihr auch deutsche Lieder im Weihnachtsprogramm?

 

Bis auf eine französische Melodie haben alle Songs ihren Ursprung in den USA. Allerdings liegt es uns sehr am Herzen, dass unser Publikum die Texte, besonders den Sprachwitz vieler der Songs, versteht. Deshalb haben wir viele der Texte ins Deutsche übertragen bzw. übertragen lassen. In dieser Form hat man die zum Teil ja sehr bekannten Lieder noch nie gehört!